Harmonie-Analyse von Blue Bossa:

Die Harmonie-Analyse von Blue Bossa ist ein Mittel, um passende Skalen zu finden und in der Improvisation anzuwenden. Ähnlich wie Autumn Leaves ist Blue Bossa aus II – V – I (2 – 5 – 1) Akkordprogressionen in Dur und moll gebildet. Passende Skalen ergeben sich aus der Funktion der Akkorde.

Wir analysieren den Song in d-moll, in den meisten Realbooks ist Blue Bossa in dieser Tonart für Tenorsaxophonisten notiert. (Bb Instrumentalisten)

Der „A“ Teil von Blue Bossa:

In den ersten 4 Takten haben wir folgende Akkorde:

Dm6 Dm6 Gm7 Gm7
I m6 I m6 IV m7 IV m7

Dm7 ist also unsere Tonika (1.Stufe), normalerweise würde man da d-aeolisch spielen, in diesem Fall ist aber auch d-dorisch gut klingend und passend.

Gm7 ist funktional die 4.Stufe in d-moll, erfordert also g-dorisch.

In den folgenden Takten (Takt 5 bis inklusive 8) haben wir dann eine 2 – 5 – 1 Bewegung in d-Moll :

Em7b5 A7b9 Dm Dm
II m7b5 V 7b9 I m I m

Über den halbverminderten Septakkord auf der 2. Stufe in moll spielt man für gewöhnlich lokrisch, der darauf folgende Septakkord mit b9 verlangt nach einer mixolydisch b9b13 Skala, man kann allerdings auch die alterierte Skala wählen.

Diesen Harmonien können wir nach der Analyse der Akkord-Funktionen die passenden Skalen zuweisen.

Dm6 Dm6 Gm7 Gm7
aeolisch od. dorisch aeolisch od. dorisch dorisch dorisch
Em7b5 A7b9 Dm Dm
lokrisch mixo b9b13 od. alteriert aeolisch od. dorisch aeolisch od. dorisch

danach folgt eine 2 – 5 – 1 Bewegung in Eb Dur:

Fm7b5 Bb7 Ebmaj7 Ebmaj7
II m7b5 V 7 I maj7 I maj7
dorisch mixolydisch ionisch ionisch

abschliessend wieder die 2 – 5 – 1 Bewegung in moll:

Em7b5 A7b9 Dm Dm
lokrisch mixo b9b13 od. alteriert aeolisch od. dorisch aeolisch od. dorisch
Eine Zusammenfassung über Akkorde und Modes in Dur, harmonisch und melodisch moll findet ihr hier:

https://www.saxofonist.org/chords-und-modes-in-dur-harmonisch-moll-und-melodisch-moll/

Dort findet ihr:

als 5. Skala in harmonisch moll die mixolydisch b9b13 Skala

als 7. Skala in melodisch moll die alterierte Skala, auch superlokrisch genannt.

Die Skalen enthalten folgende Töne (in absoluter Relation zum Grundton der Skala):

mixolydisch b9b13: 1 b9 3 4 5 b6 b7

alteriert oder superlokrisch: 1 b9 #9 3 b5 b6 b7

Zusammengefasst ergeben sich also folgende passende Skalen nach der Harmonie-Analyse von Blue Bossa:

Dm7 – Tonika, als 1.Stufe eigentlich aeolisch, aber dorisch passt auch

Gm7 – als 4.Stufe in d-moll muss es g-dorisch sein

Em7b5 – über den Halbverminderten geht sich lokrisch immer gut aus

A7b9 – es sollten die Alterationen angespielt werden, um den logischen Melodieverlauf weiterzuleiten, somit bieten sich mixolydisch b9b13 (aus harmonisch moll) bzw. superlokrisch = alteriert (aus melodisch moll) an.

Fm7 – als 2.Stufe in Eb Dur ist dorisch gefragt

Bb7 – eigentlich der Chord mit den meisten Möglichkeiten, mixolydisch ist die Wahl für die 5.Stufe, allerdings können zahlreiche dominant 7 Skalen probiert werden (außer moll Blues Skala)

Ebmaj7 – die Tonika verlangt wieder nach ionisch, allerdings kann auch lydisch verwendet werden

Abschliessend eine Übersichtsseite für den A-Teil von Blue Bossa, Akkorde, Akkordfunktion als auch passende Skalen:

Funktionsharmonik und Skalen für Blue Bossa